Wasserholen statt Schulbildung!?


Wasserholen statt Schulbildung!?

Mehrere Stunden am Tag Wasser holen und darum nicht zur Schule gehen dürfen? Diese Zeiten werden für die Mädchen des Dorfes Chemichemi im County Makueni/Kenia/Ostafrika der Vergangenheit angehören!

Wie kam es zu dieser positiven Veränderung im Leben der Mädchen? Und was hat das Herzog-Ernst Gymnasium Uelzen damit zu tun?

Beginnen wir die Geschichte mit der Idee „Spenden sammeln und damit den Bau eines Regen-Wassertanks finanzieren“.

Info-Kasten:

Die äquatornahe Lage Kenias ermöglicht keine Jahreszeiten wie bei uns in Deutschland, sondern nur zwei Regen- und zwei Trockenzeiten. Man unterscheidet die große Regenzeit von März bis Mai und die kleine Regenzeit von Oktober bis Dezember.

In den Dörfern sind traditionsgemäß die Mädchen/Frauen für die Wasser-Versorgung der Dorfbewohner verantwortlich. Die tägliche Beschaffung des Trinkwassers stellt eine besondere Herausforderung dar. Können die Frauen neben ihren übrigen Aufgaben dies nicht mehr schaffen, müssen die Mädchen den Schulbesuch aufgeben und Wasser holen. Dabei legen sie oft kilometerlange Wege zum nächsten Wasserloch zurück! D.h. auch, dass sie während der langen Trockenzeit nicht die Schule besuchen können!

Die sehr engagierte Schulgemeinschaft des Herzog-Ernst-Gymnasiums entscheidet sich im Schuljahr 2024/2025, Spenden zu sammeln. Die Schüler- und Elternschaft sowie das Kollegium sind begeistert dabei – mit sehr sehr viel Engagement, Ideen, Ausdauer und vielfältigen Aktionen: So wurden von vielen Gruppen Kuchen gebacken und angeboten. Im Herbst werden zentnerweise Äpfel gesammelt und gemostet, sodass Apfelsaft verkauft werden kann. Kleinere Schülergruppen organisieren in Eigeninitiative Spendensammel-Aktionen, wie beim Rieselwiesenfest in Suderburg oder bieten gebastelte Adventsgeschenke an einem Samstag im Advent in Uelzen an oder basteln Herbstbilder, die bei ihnen im Wohnort angeboten werden und dort großen Anklang finden.

Die verschiedenen Gruppen der HEG-Musikergemeinschaft bereiten bei ihren zahlreichen Veranstaltungen wie immer sehr viel Freude, und unterstützen das Projekt. Im Kunstunterricht werden in alles Jahrgängen verschiedene Bilder gestaltet. Ausgesuchte Motive werden zu Klappkarten designt und zu einem Kunst-Karten-Sets zu je 15 Karten zusammengestellt.

Sehr viel Aufwand erfordert der Bücherflohmarkt, der so manche Rarität hervorzaubert.

Auch sportlich wird es: OberstufenschülerInnen organisieren ein HEG-LEG-Fußballspiel, das bei schönem Sommerwetter stattfindet und beiden Teams alles abverlangt. Und der an der Schule jährlich stattfindende Sportabzeichentag wurde zum Spenden sammeln genutzt.

Bei der Projektwoche zum Ende des Schuljahres erhöhen einzelne Projekte auch noch die Spendensumme.

So ist es zum Abschluss des Schuljahres 2024/2025 geschafft. Die benötigte Spendensumme ist erreicht und der Wassertank kann in Auftrag gegeben/gebaut werden!!!

 Durch gemeinsames Handeln und Engagement dürfen jetzt Mädchen auch während der Trockenzeit lernen, – das, was für uns in Uelzen so selbstverständlich ist.

Und wie geht es nun weiter? Wie läuft es mit dem Bau des Wassertanks ab?

Das Baumaterial (wie zum Beispiel Zement, Steine, Rohrleitungen, Dachrinnen) für den Wassertank werden durch die gesammelten Spenden finanziert, sowie die Dachrinnen der Gebäude und die Zuleitungen zum Wassertank.

Das Dorf Chemi Chemi bekommt den Wassertank aber nicht einfach geschenkt. Die Eltern der Schülerinnen und Schüler bauen ihn nach demPrinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ unter Anleitung eines Wasserbauingenieurs in Eigenleistung. So kann das Regenwasser während der Regenzeit aufgefangen und für die Trockenzeit gespeichert werden.

Und wer organisiert das Projekt vor Ort in Kenia?

Das HEG hat Kontakt mir dem niedersächsischen Verein Wasser für Kenia e.V. mit Sitz in Wolfsburg aufgenommen. Er unterstützt Schulen, die diese Art Projekte in Kenia durchführen möchten. Dieser Verein arbeitet mit der Entwicklungsorganisation der Anglikanischen Kirche (ADS Eastern kurz ADSE) in Kenia zusammen. ADSE koordiniert und organisiert das Bauvorhaben. Dörfer, die einen Wassertank haben möchten, müssen sich bewerben und nachweisen, dass sie in Eigenleistung den Bau durchführen.

Das HEG alleine kann die gesamte Finanzierung und Organisation vor Ort nicht leisten. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt finanziell dieses Projekt.

Am 23.03.2026 ist der Wassertank des HEG offiziell eingeweiht worden.

Schon beim Betreten des Schulgeländes ist die warme, freundliche, offene Atmosphäre für die Teilnehmer der Reisegruppe des Vereins „Wasser für Kenia“ spürbar. Es werden für sie Tänze aufgeführt und Lieder gesungen. Sie erleben im direkten Kontakt die Dankbarkeit der kenianischen Schülerinnen und Schüler für Wasser und Bildung.

Infokasten zu Kenia:

Staatsform: Präsidialrepublik

Gründung: 1963

Amtssprache: Swahili, Englisch

Präsident: William Ruto

Hauptstadt: Nairobi (ca. 5,5 Millionen Einwohner)

Fläche: 580.370 km² (Deutschland 357.021 km²)

Einwohnerzahl: 62,4 Millionen (davon sind rund 37% unter 15 Jahre alt) (15.02.2026)

(Deutschland: rund 84 Millionen, 15.02.2026)

Einwohner pro km²: 107,5 (Deutschland: 235,2 Einwohner pro km², 15.02.2026)

Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze: 36%

Lebenserwartung: 59,5 Jahre (Deutschland: 80,1 Jahre)

Durchschnittsalter der Bevölkerung: 19 Jahre (Deutschland: 45,9 Jahre)

Quelle: Countrymeters.info/de/…

Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen